St. Michael Schützenbruderschaft Saalhoff 1520 e.V

Geschichte der Bruderschaft - Für Glaube, Sitte und Heimat

Die St. Michael Bruderschaft gehört zu den ältesten Bruderschaften am Niederrhein. Als Gründungsjahr wird 1520 angenommen; möglich ist jedoch ein früheres Gründungsjahr. Schriftliche Urkunden aus der Gründerzeit liegen nicht vor; aus einem "Reglement der St. Michaelischen Bruderschaft in Saalhoff" aus dem Jahre 1818 geht jedoch hervor: "Da nach vielen Kriegsunruhen und verschiedenen dem Zwecke der Bruderschaft zuwiderhandelnden, durch ausländische Völker, unter welchen wir seit einer Reihe von Jahren geseufzt haben vorgeschriebenen Gesetzen unsere seit dem Jahre 1520 bestandene St. Michaelbruderschaft zu Saalhoff etwas in Verfall geraten war und auch, um den heiligen Zweck unserer Vorväter zu befestigen und mehr und mehr verewigen, haben unterschriebene Brüder von St. Michaelis zu Saalhoff sich daher geeinigt und beschlossen, dass diese Bruderschaft in Zukunft nach folgendem Reglement, welches dem vom Jahre 1520 ziemlich ähnlich ist, bestehen soll." Hieraus kann man folgern, dass damals eine Urkunde aus der Gründungszeit vorlag. Auch die älteste künstlerisch wertvolle Schmuckplatte des Königssilbers trägt die Jahreszahl 1520, und sie gibt zusätzlich Hinweise auf die in dieser Zeit gebräuchliche Art der handwerklichen Silbertreibens.

Die Zeit um 1520 war auch die Epoche  der beginnenden Reformation am Niederrhein. Die Lehnsherren von Alpen suchten mit allen Mitteln die neue Lehre in ihrem Herrschaftsbereich einzuführen. Saalhoff gehörte zwar zur Pfarre Alpen, jedoch nicht zur Herrschaft Alpen. Für den Gründerzeitpunkt spricht auch, dass die Bruderschaft eine Schutzwehr zur Bewahrung des Glaubens erreichen wollte; man erwählte als Schutzpatron den Erzengel Michael.

 Im erwähnten Reglement von 1818 heißt es dazu: "Unsere Vorfahren, welche vor etwa 300 Jahren bei den damals in Ansehung der Religionen höchst zerrütteten Zeiten diesen großen Diener des Allerhöchsten zum Schutzpatron erwählte haben, war nicht unbekannt, wie viel Gutes Gott den Menschen durch seine Engel zugeführt hat." Darum trat auch so gut wie niemand zur neuen Lehre über.

 

Die St. Michael Schützenbruderschaft hat eine bewegte Vergangenheit. Davon zeugen die vorhandenen Silberplatten des Königssilbers, insbesondere die von 1520 und 1660. Obwohl in Kriegszeiten viele Dokumente und alte Erinnerungsstücke Schaden nahmen oder verloren gingen, hat das gesamte Königssilber die Wirren des letzten Weltkrieges im Holzaltar der St. Michael Kapelle auf dem Hoogenhof unversehrt überstanden.

Nach den alten Satzungen konnten analog der Kirchengeschichte nur Katholiken Bruderschaftsmitglieder werden. Erst 1960 sah die Rahmensatzung des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften einen Aufnahmeanteil von 12% nichtkatholischer Christen vor. Ab 1969 stand im Zeichen der sich abzeichnenden ökumenischen Zielstrebungen die Mitgliedschaft allen Christen offen. Die Bruderschaft wurde in das Vereinsregister eingetragen. Grund dafür war u.a. die finanzielle Risikoabsicherung der Bruderschaftsmitglieder wegen des 450-jährigen Jubiläums im Jahre 1970.

Erziehungs- und sozialpolitische Ziele stehen weiter im Mittelpunkt der Mitgliederbetreuung, insbesondere der Jugendarbeit. Zu nennen sind Zeltlager, interne und externe Lehrgänge und Wettbewerbe im Schießsport.

 

Die Bruderschaft hält althergebrachte Traditionen aufrecht und wirkt beim geselligen und kulturellen Leben mit. Als heimatliches Brauchtum pflegt man das Vogelschießen, die Königskrönung, das Fahnenschwenken sowie Patronatsfest und Kirmes. 1964 wurde ein Kinderschützenfest eingeführt. In Ermangelung eines zentral gelegenen Vereinslokals wird das Kirmeszelt auf dem von der Stadt Kamp - Lintfort erworbenen Grundstück an der Leuchtstraße errichtet.

Ein Meilenstein in der Bruderschaftsgeschichte war die Renovierung der St. Michael Kapelle Hierbei legten alle Hand an, damit die Wiederherstellungsarbeiten bis zum Ende des Jahres 1984 beendet werden konnten.

Bilddokumente aus mehreren Jahrzehnten, Archivmaterial und das gesamte Königssilber wurden 1986 im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit im Foyer des neuen Rathauses in Kamp - Lintfort ausgestellt.

 Mit ihren Spenden für karitative Zwecke wie Priesterausbildung, Flüchtlingsumsiedlungsprojekte, Missionshilfen, Brunnenbau in Dürregebieten, Pfarrheimbau sowie Unterstützung von Behinderten, hilft die Bruderschaft in manchen finanziellen Notlagen.

Schlussbetrachtung
Praktisch haben sich die Aufgaben zum wehrhaften Einsatz und zum Schutz der Gemeinschaft nicht geändert; Aufgabenstellung und -bewältigung, im Hinblick auf die christlichen Bruderschaftsgrundsätze, sind zum Wohle von Familie und Staat auf die heutige Zeit abgestimmt. Die St. Michael Schützenbruderschaft fühlt sich weiter verpflichtet, mit den ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, das Erbe ihrer Vorväter zeitgemäß und glaubhaft nach den Grundsätzen:
Treue im Glauben,

Verantwortung zur Sitte und

Liebe zur Heimat, zum Vaterland


stolz zu bewahren.
 

Wörtliche Zitate aus dem Grußwort des Pfarrers Aretz aus Alpen zum 450 jährigen Jubiläum der St. Michael Schützenbruderschaft im Jahre 1970 

Quelle:
Zusammengetragen von Willi Lisken
für die Festzeitschrift im Jahre 1995